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Dorfgeschichte

Geschichte

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Die Wickrathberger Dorfgeschichte
(Quelle: Unser Dorf in Worten und Bildern. Hrsg.: VHD Wickrathberg, Mönchengladbach 2005)

Das Land zu beiden Seiten der Niers ist uraltes Land. Viele Funde sind Zeugen dafür, dass diese Gegend schon früh bewohnt war. Das älteste Kulturvolk am linken Niederrhein waren die Kelten, von denen sich noch manche Orts- und Flussnamen herleiten.

Ihnen folgten
die Römer, die über vierhundert Jahre das Land beherrschten. So muss am früheren Schramberg zwischen Wickrathberg, Wanlo und Hochneukirch (der dem Bau der A 61 und des Autobahnkreuzes Wanlo weichen musste) ein römisches Lager gestanden haben. Im Zuge der Niersentwässerung im Jahr 1936  stieß man im Niersbruch an der Kinkelbach auf die Reste einer römischen Hofanlage.

Zur
Zeit der Völkerwanderung, als das römische Reich zu zerfallen begann, wurden die Franken die Herren des linksrheinischen Landes und gaben ihm das typische rheinfränkische Gepräge, zum Beispiel in der Anlage und Bauart der Wohnhäuser und Hofanlagen. Unter den Franken kam auch das Christentum im Jülicher Land allgemein zur Einführung.

Frankenzeit. In dieser Zeit des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“, das aus vielen kleinen und großen Einzelstaaten bestand, bildete die sumpfige Niersniederung eine wichtige Grenze.  Hier berührten sich zwei fränkische Stämme: Die Bewohner Wickraths waren Angehörige der salischen, die Bewohner Wickrathbergs der ripuarischen Frankenstämme. Ab dem 12. Jahrhundert gehörte das linke Niersufer zum Bistum Lüttich, das rechte zum Bistum Köln.

Dem Namen
Wickrath begegnen wir im Jahr 971, wo von der „Wickenrodero Marca“ die Rede ist. Also die Erklärung für große Rodungen und urbar gemachtes Land als Äcker, Felder und Weideplätze für das Vieh. Zu großer Wahrscheinlichkeit bestand zu dieser Zeit auch schon Wickrathberg. Der Ortsname setzt sich zusammen aus den drei Wortstämmen „wick“  (Sumpf), „rath“ (Rodung) und „berg“ (auf einer Anhöhe gelegen).

Charakteristisch für diese Zeit und die Niersgegend sind die zahlreichen Höfe und Herrensitze, die vielfach unmittelbar am Rande des Niersbruches angelegt wurden. Auf Wickrathberger Gebiet haben sich manche Höfe bzw. deren Neubauten seit über 250 Jahren bis in unsere Zeit erhalten können, z.B. der Finkenberger Hof, der Broicher Hof, der Nieberger Hof (heute Quastenhof), der Buscherhof  und der Nierberger Hof (heute Sourenhof).

Aus der Mitte des
11. Jahrhunderts ist der erste romanische Kirchenbau rechts der Niers in Wickrathberg nachgewiesen. Diese Urkirche aus dem Jahre 1050 wurde durch den Folgebau mit den beiden Seitenschiffen und dem Turm in Jahre 1220 ersetzt. Funde belegen, dass bereits vorher – in der fränkischen Zeit – eine Holzkirche an dieser Stelle existiert hat. (Weitere Details zur Wickrathberger Kirche und Kirchengeschichte unter http://www.kirche-wickrathberg.de/).

Nach der Gründung einer reformierten Gemeinde in Wickrath (Jahr
1530) wechselte auch in Wickrathberg ganz allmählich der Gottesdienst zum reformierten Gebrauch. Ab 1569 wurde die Wickrathberger Kirche zur Herrschaftskirche der Grafen von Quadt zu Wickrath.

Die
lateinische Schule in Wickrathberg. Im Jahre 1654 gründete Johannes Eilbracht – von 1630-1677 evangelischer Pastor in Wickrathberg – eine lateinische Schule, die in der Folgezeit weit über die Grenzen berühmt wurde. Eilbracht gelang es, mit Umsicht und Mut sowie durch die Spendenfreudigkeit der Herren von Quadt zu Wickrath, diese Schule aufzubauen. Die Grundzielrichtung der Schule bestand zunächst darin, Kinder und junge Männer auf ein Universitätsstudium und das evangelische Pfarramt vorzubereiten. Später wurde die Schule eine Rektoratsschule, in der auch Kinder von wenig begüterten Familien die Möglichkeit hatten zu lernen.

Während der
französischen Herrschaft ab 1794 war die Schule geschlossen. Unter der Leitung von Pastor Adam Eberhard Zillessen blühte sie ab 1814 wieder auf und wurde  von jeweils 40-50 Jungen besucht. Durch ihren guten Ruf kamen Schüler aus den evangelischen Gemeinden der Umgegend bis Köln, Düren, Aachen, Krefeld Moers, Xanten, Wesel und selbst aus Brüssel und Amsterdam. Die Unterrichtsfächer in Klassen von 6-8 Schülern waren Deutsch, Französisch, Latein, Griechisch, Geschichte, Erdkunde, Naturgeschichte, Mathematik, Geometrie und Zeichnen.

Nach
1870 wurde es zunehmend schwieriger, die Schule zu erhalten, vor allem, da es nun in vielen Städten gute höhere Schulen gab. Im Jahre 1886 schloss die Wickrathberger Lateinschule endgültig. Das Gebäude existiert bis heute an der Berger Dorfstraße und beherbergt aktuell die Raiffeisenbank.

Französische Herrschaft. Im Oktober 1794 rückten die Franzosen in Wickrath ein. So musste der letzte Reichsgraf von Wickrath Otto Wilhelm von Quadt mit seiner gesamten Familie fliehen und seine Herrschaften Wickrath und Schwanenberg an die französische Republik abtreten. Damit verlor Wickrathberg seinen letzten großzügigen Gönner und es begannen schwierige Zeiten. Die Franzosen brachen mit eiserner Faust die alten staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse auseinander. Dies spürten die Menschen hier an übermäßigen Einquartierungen, Brandschatzungen und schweren Steuerlasten. Auch auf kirchlichem Gebiet brachte die Säkularisation große Veränderungen mit sich: So wurden Prozessionen verboten, Kreuze auf öffentlichen Wegen und Kirchhöfen sollten entfernt werden; Sonn- und Feiertage wurden abgeschafft und man setzte dafür nur jeden zehnten Tag einen Ruhetag ein.

1802 hob Napoleon I. das Kloster in Wickrath auf. Er gründete 1808 im Schloss Wickrath ein kaiserlich französisches Gestüt als eine der Vorbereitungen zu seinem Russlandfeldzug 1812.  Aus den hiesigen Gemeinden – auch aus Wickrathberg – wurden Männer mit nach Russland genommen, von denen nur wenige heimkehrten.

Preußische Herrschaft. Nach den Freiheitskriegen zerbrach Napoleons Macht. In der Folge des Wiener Kongresses (1815) fiel die Gemeinde Wickrath an Preußen. Dank preußischer Fürsorge und Mitarbeit des Volkes ging auch Wickrathberg besseren Zeiten entgegen. Pastor Zillessen war eine der treibenden Kräfte und engagierte sich in besonderer Weise für die Jugend und die Bildung. Die Bevölkerungszahl wuchs (1570 Einwohner in der Gemeinde Wickrath im Jahr 1817), so dass auch der Friedhof an der Kirche nicht mehr ausreichte. So erwarb die Gemeinde 1818 an der Allee nach Wickrath ein Grundstück und seit 1821 werden dort die Toten beigesetzt. Auch Evangelische aus der Pfarre Wickrath wurden nun auf dem Wickrathberger Friedhof beerdigt. Dieser wurde mehrfach erweitert und 1881 wurde eine Friedhofshalle errichtet.

Gesellschaft Genügsamkeit. Am 1. Januar 1839 wurde von 23 Wickrathberger Herren die „Gesellschaft Genügsamkeit“ gegründet, die bis heute existiert und sich reger Aktivitäten erfreut. In der umfangreichen Satzung ist unter Artikel 1 zu lesen:Zweck der Gesellschaft ist die Beförderung anständiger, geselliger Freuden.“ Die Statuten wurden in dieser Zeit streng gehalten. So musste jedes Mitglied mindestens einmal in der Woche - montags, donnerstags oder samstags - in der Gesellschaft erscheinen. Bei Nichterscheinen waren 2 Silbertaler Strafe zu entrichten.

Die „Gesellschaft Genügsamkeit“ verstand und versteht sich nicht als Verein im engeren Sinne. Man kann ihr nicht einfach beitreten, sondern die Mitgliedschaft erfolgt auf Vorschlag eines Mitglieds in Absprache mit allen anderen Mitgliedern und einer förmlichen Abstimmung („Ballotage“). Eine außerordentliche Besonderheit ist die Tatsache, dass Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck im Jahre
1897 zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Ihr soziales Engagement hat die Gesellschaft seit ihrer Gründung immer wieder durch Spenden und Zuwendungen innerhalb Wickrathbergs unter Beweis gestellt.

Gefallenendenkmal. Nach dem Krieg 1870/71 pflanzten die heimkehrenden Soldaten neben der Wickrathberger Kirche eine Eiche. Im Schatten dieser Eiche stand und steht auch heute noch das Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege 1870/1871 sowie 1914/1918, welches am 12. Oktober 1930 vom damaligen Pastor Werner Lüderitz eingeweiht wurde.

Dieser Tag ist die Geburtsstunde des „Vereins für Heimat- und Denkmalpflege Wickrathberg“.

Bei der Einführung des Pastors Wilhelm Rehmann
1895 wurde auch der Grundstein für ein neues Pfarrhaus neben der Kirche gelegt, nachdem die Gemeindevertretung den Abriss des alten Pfarrhauses beschlossen hatte. In die Amtszeit Pastor Rehmanns fallen auch die Gründungen des Kirchenchores (1902) sowie der evangelischen Frauenhilfe (1924), die nach wie vor in unserem Dorf aktiv sind.

Für die
Zeit der Nazi-Diktatur existieren nur wenige schriftliche Zeugnisse. Im Jahre 1938 erfolgte eine gründliche Instandsetzung der Außenseite unserer Kirche. Die stark verwitterte Westseite musste erneuert und das Kirchendach überholt werden.

Als ein unrühmlicher Punkt der Dorfgeschichte gilt die Zerstörung der Wickrathberger Synagoge an der Berger Dorfstraße im
November 1938, an der etliche Bürger beteiligt waren. Eine Gedenkplatte im Gehweg erinnert heute an das ehemalige jüdische Gotteshaus.

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